{"id":40,"date":"2022-05-03T12:23:16","date_gmt":"2022-05-03T12:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/baukultur-netzwerk.de\/?p=40"},"modified":"2022-06-24T12:44:30","modified_gmt":"2022-06-24T10:44:30","slug":"roter-faden-durch-die-spaetgotik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baukultur-netzwerk.de\/en\/roter-faden-durch-die-spaetgotik\/","title":{"rendered":"Roter Faden durch die Sp\u00e4tgotik"},"content":{"rendered":"<p>Nordalpine Baukultur des Sp\u00e4tmittelalters: Damit besch\u00e4ftigt sich ein neues Netzwerk, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft genehmigt hat. Federf\u00fchrend sind die kunsthistorischen Institute der TU Dresden und der Uni W\u00fcrzburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunst und Architektur des 15. und 16. Jahrhunderts: Wer denkt da nicht an Renaissance, an Florenz, Mailand oder Rom? An Michelangelo, Giorgio Vasari und Leonardo da Vinci? Dass zur gleichen Zeit n\u00f6rdlich der Alpen und im gesamten deutschsprachigen Raum die Sp\u00e4tgotik f\u00fcr tiefgreifende Ver\u00e4nderungen gesorgt hat, die unser Bild- und Kunstverst\u00e4ndnis bis heute pr\u00e4gen, wird dar\u00fcber leicht vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der Kunstgeschichte dominierten f\u00fcr diesen Zeitraum Forschungen zur Renaissance und italienischen Kunst. Dies \u00e4ndert sich seit einiger Zeit: An Objekten und Aspekten der Kunst jenseits der Alpen gelegener R\u00e4ume, f\u00fcr die die Wissenschaft lange blind war, gibt es ein immer st\u00e4rkeres Interesse\u201c, so Stefan B\u00fcrger. Der Kunsthistoriker hat an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg (JMU) eine Professur am Institut f\u00fcr Kunstgeschichte inne und will gemeinsam mit dem Netzwerk diese Entwicklung voranbringen und daf\u00fcr auch wissenschaftlichen Nachwuchs gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"immense-fulle-an-objekten-der-bau-und-bildkunst\">Immense F\u00fclle an Objekten der Bau- und Bildkunst<\/h4>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit Bruno Klein, Inhaber der Professur f\u00fcr Christliche Kunst der Sp\u00e4tantike und des Mittelalters der TU Dresden, hat er deshalb das Netzwerk \u201eNordalpine Baukultur des Sp\u00e4tmittelalters\u201c ins Leben gerufen. Daran beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Universit\u00e4ten \u2013 von Kiel bis Z\u00fcrich, von Stra\u00dfburg bis Wien. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Projekt \u00fcber einen Zeitraum von drei Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAus dem 15. und 16. Jahrhundert existieren heute noch eine immense F\u00fclle an Objekten der Bau- und Bildkunst. Und mit dieser F\u00fclle wachsen die methodischen M\u00f6glichkeiten, diese zu betrachten und zu bewerten. Was fehlt, ist ein \u00dcberblick \u00fcber diese Objekte, ihre Aspekte und die M\u00f6glichkeiten, sie wissenschaftlich zu bearbeiten. Diese F\u00fclle erschwert es beispielsweise Studierenden, sich in dem Forschungsfeld zu orientieren und gegebenenfalls Fu\u00df zu fassen\u201c, urteilt Stefan B\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das zu \u00e4ndern, sollen die zahlreichen Mitglieder des Netzwerks ihre jeweiligen Spezialgebiete sowie ihre Erkenntnisse aus der Archiv- und Quellenforschung, der Bauforschung und der Architekturgeschichte in die gemeinsame Arbeit einbringen. Ziel ist es, die vielf\u00e4ltigen Forschungsergebnisse und -strategien im deutschsprachigen Raum zu b\u00fcndeln oder, wie Stefan B\u00fcrger sagt: \u201eWir m\u00fcssen rote F\u00e4den legen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"unterfrankische-baukultur-von-unten\">Unterfr\u00e4nkische Baukultur von unten<\/h4>\n\n\n\n<p>B\u00fcrger hat sich beispielsweise in den vergangenen Jahren intensiv mit sp\u00e4tmittelalterlichen Bauwerken in Unterfranken besch\u00e4ftigt. Besonders die \u201eBaukultur von unten\u201c habe ihn dabei interessiert \u2013 also die kleine, unscheinbare Kirche in einer unterfr\u00e4nkischen Gemeinde und nicht die Residenz oder Festung in der Stadt. Tausende Fotos von 250 Objekten habe er daf\u00fcr aufnehmen lassen und anschlie\u00dfend ausgewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMich hat die Frage geleitet, was in dieser Zeit baukulturell in den D\u00f6rfern passiert ist, welche Ver\u00e4nderungen es m\u00f6glicherweise gegeben hat und welche Absichten hinter diesen Ver\u00e4nderungen gesteckt haben k\u00f6nnten\u201c, sagt B\u00fcrger. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen will der Kunsthistoriker schon bald der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentieren. Das zweib\u00e4ndige Werk ist druckfertig und soll Anfang 2022 erh\u00e4ltlich sein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"uberraschender-fund-zur-haupthutte-in-wurzburg\">\u00dcberraschender Fund zur Haupth\u00fctte in W\u00fcrzburg<\/h4>\n\n\n\n<p>Aber nat\u00fcrlich interessiert sich B\u00fcrger neben den kleinen Kirchen auch f\u00fcr die gro\u00dfen \u201eLeuchtt\u00fcrme\u201c dieser Zeit, wie etwa die W\u00fcrzburger Marienkapelle, auch Teile des W\u00fcrzburger Domes, gr\u00f6\u00dfere Stadtkirchen wie in Ha\u00dffurt, Kitzingen, Ochsenfurt oder Volkach.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit Forschungen zu Konfliktf\u00e4llen im Bauwesen und zum Bauhandwerk der Steinmetzen war unter anderem durch den Hinweis eines Kollegen auch ein unbeachtetes Quellenkonvolut in seinen Blick geraten. Eine intensive Recherche in Dresdner und Weimarer Archiven lieferte B\u00fcrger die Namen von Werkmeistern, die in dieser Zeit an der Spitze der W\u00fcrzburger Haupth\u00fctte standen. \u201eAus den Quellen geht hervor, dass W\u00fcrzburg ab 1515 Standort einer \u00fcberregional bedeutenden Haupth\u00fctte war und damit ein Gerichtsort innerhalb des Stra\u00dfburger H\u00fcttenverbandes\u201c, erkl\u00e4rt B\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weitere Suche in W\u00fcrzburger Archiven brachte die Best\u00e4tigung: Dort entdeckte der Kunsthistoriker die Bestallungsurkunden f\u00fchrender Meister. \u201eDie Quellen wiederum belegen, dass in der hiesigen Bauh\u00fctte landesherrliches und Dombauwesen vereint waren. Die wohl wichtigste Figur neben dem bekannten Meister Hans Bock war damals ein Meister namens Martin Knoch beziehungsweise auch Merten Knochen. Er hatte offenbar das Amt des Obersten Landes- und Dombaumeisters inne. Das hatte die Forschung bisher nicht auf dem Schirm \u201c, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"nachwuchsforderung-ist-wesentliches-ziel\">Nachwuchsf\u00f6rderung ist wesentliches Ziel<\/h4>\n\n\n\n<p>Forschungen zu den komplexen Ph\u00e4nomenen der Baukultur des Sp\u00e4tmittelalters mit Hilfe des Netzwerkes vertiefen, bisher separierte Analysen auf Teilgebieten zusammenf\u00fchren und \u00fcbergreifend behandeln und dabei viele Wissenschaftsdisziplinen einbinden \u2013 von der Medien- \u00fcber die Wirtschafts- und Rechtsgeschichte bis zur Sprachwissenschaft: Das ist nur ein Ziel des neuen Netzwerks.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wichtig ist den beiden Verantwortlichen aus W\u00fcrzburg und Dresden die damit verbundene Nachwuchsf\u00f6rderung. Schlie\u00dflich gebe es derzeit zu wenige Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in diesem objekt- und quellenreichen Forschungsgebiet. An dem Netzwerk seien deshalb auch Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden beteiligt. Ihnen soll auf diesem Weg der Einstieg in ein \u201e\u00fcppiges und mitunter etwas verqueres\u201c Forschungsfeld erm\u00f6glicht werden \u2013 ohne die Umwege, die manch etablierter Forscher in der Vergangenheit machen musste, weil es ihm an einem roten Faden mangelte.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"kontakt\">Kontakt<\/h4>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Stefan B\u00fcrger, Professur f\u00fcr Kunstgeschichte, T: +49 931 31-84650,&nbsp;<a href=\"mailto:stefan.buerger@uni-wuerzburg.de\">stefan.buerger@uni-wuerzburg.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordalpine Baukultur des Sp\u00e4tmittelalters: Damit besch\u00e4ftigt sich ein neues Netzwerk, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft genehmigt hat. Federf\u00fchrend sind die kunsthistorischen Institute der TU Dresden und der Uni W\u00fcrzburg. Kunst und Architektur des 15. und 16. 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